Der erste Wendt der Woche: Kofferhersteller

23. KW 2018

 

Vor jeder Reise geht mein erster Gedanke beim Kofferpacken an die Kofferhersteller. Wegen der Geräusche, die die Räder verursachen. Beim Rollen. Ich vermute, dass Kofferentwickler entwickelte Koffer nicht testen. Wie ich darauf komme? Sag ich Ihnen gerne:

 

Ich glaube, dass Kofferhersteller ihr mit Rädern versehenes Produkt nicht in Alltagssituationen hinter sich herziehen. Ich ziehe meine Koffer weder auf leisen Teppichböden noch zur lauten Rushhour hinter mir her. Immer nur auf Kopfsteinpflaster oder Beton, und immer nur frühmorgens oder spätabends.

 

Mit hoher Wahrscheinlichkeit ziehe ich auch in den falschen Städten: Bremen, Stuttgart, Recklinghausen, um nur einige zu nennen. Flüsterasphalt gibt’s da selten bis nie. Wahrscheinlich müsste ich meinen Koffer mal in Stickum oder Pst ziehen, doch da hat man mich noch nicht gebucht. Es ist ein berauschendes Gefühl, irgendwann zwischen 23.30 Uhr und 05.30 Uhr einen Koffer, dessen ratternde Rollen an von Brauereipferden gezogene Bierkutschen erinnern, durch im Tiefschlaf befindliche Innenstädte hinter sich her zu ziehen oder neben sich rollen zu lassen. Der Einmarsch der Gladiatoren im alten Rom muss dagegen mucksmäuschenstill gewesen sein.

 

Meine Koffer, derzeit fünf an der Zahl, sind ums Verrecken nicht leise. Sie sind laut. Extrem laut, wobei es keine Rolle spielt, ob der Koffer zwei oder vier Räder hat. Woran mag das liegen? Bin ich zu empfindlich? Habe ich Murks gekauft? Menschen haben es geschafft, Herzen zu verpflanzen und zum Mond zu fliegen. Und wie es scheint, werden wir in absehbarer Zeit mit Hilfe des autonomen Fahrens auch den blödesten Autofahrer fehlerfrei rückwärts in jede Parklücke lotsen können. Warum funktioniert Fortschritt nicht bei Koffern?