Der 16. Wendt der Woche: Tierschutz - Mit Foto + Filmtipp 

38. KW 2018

 

Sicher ist Ihnen der Begriff Sodom nicht ganz unbekannt. Von dort zur Sodomie ist es nicht weit. Die Kirche bezeichnete mit Sodomie jedes Sexualverhalten außerhalb der Ehe. Innerhalb der Ehe lag nur dann Sodomie vor, wenn es nicht der Fortpflanzung diente. Schnackseln zum Spaß entsprach also selbst mit Trauschein nicht den Grundsätzen der Kirche. 

 

Heute nennt man das, wofür Sodomie eigentlich steht, nämlich sexuelle Handlungen zwischen Mensch und Tier, Zoophilie. Was nicht nur mir, sondern vielleicht auch manchen Lesern Brechreiz verursacht, ist zwar nicht überall gern gesehen, aber eben auch nicht flächendeckend strafbar. In Dänemark soll es sich durchaus einiger Beliebtheit erfreuen, zumal dort sogar Tiersex-Bordelle existieren sollen. Wenn also die dänische Mutti Sonntagvormittag die Ente in die Röhre schiebt, fährt der dänische Vati währenddessen mal kurz in den Puff und schiebt seine Röhre in die Ente.

 

Auf dem Konzil von Arles im Jahre 1275 beschrieb die Kirche Sodomie als Verkehr „mit einer Jüdin, einer Sarazenin oder einem wilden Tier“ (Norbert Schnitzler in: Wechselseitige Wahrnehmung der Religionen im Spätmittelalter und in der Neuzeit, Verlag Walter de Gruyter 2009, Seite 260). Ist das vielleicht ein Beleg dafür, dass Kirche und Kabarett eben nicht zufällig mit demselben Buchstaben beginnen? Es war nämlich offenbar nur die Kopulation mit wilden Tieren unerwünscht. Ziege oder Kalb durfte man bespringen, bevor der Bischof sie auf den Grill legte. Jedoch bitte nicht auf dem Altar!

 

Denn dort, wie folgender kleiner Exkurs zeigt, sind selbst Liegestütze strafbar, die jemand, der sich als Künstler bezeichnet, auf einem Altar macht und sich dabei mit einer Kamera aufnimmt. Sagt das AG Saarbrücken und verurteilt einen Liegestützer wegen Störung der Religionsausübung zu einer Geldstrafe. Ihm fehle, soll die Amtsrichterin gesagt haben, im Umgang mit anderen das Gespür für das, was angemessen sei. Dieses Argument überrascht mich, denn zumindest in der Hinsicht dürfte der Künstler mit den meisten Kirchen etwas gemeinsam haben.   

 

Das Landgericht Saarbrücken als zweite Instanz sah das anders als das Amtsgericht: Kunst sei das, was der Künstler als Kunst bezeichne. Die Einordnung als Kunst entziehe sich richterlicher Beurteilung. Seine Handlung sei daher von der Kunstfreiheit gedeckt. Das Landgericht sprach ihn vom Vorwurf der Störung der Religionsausübung frei. Auch das Argument verblüfft mich, denn würde ein Angeklagter nach seiner Verurteilung einen Hundehaufen auf den Richtertisch legen und das als Kunst bezeichnen, möchte ich den Richter sehen, der sich dieses Exponat nach Austrocknung erfreut in seine Glasvitrine legt.

 

Das Oberlandesgericht Saarbrücken als dritte Instanz beurteilte die Angelegenheit ebenso wie das Amtsgericht: Kunstfreiheit habe ihre Grenzen. Zum Beispiel bei Liegestützen auf Altären. Und das Oberlandesgericht verurteilte den Mann. Jedenfalls den Papst dürfte dieses Urteil gefreut haben. Doch kommen wir zurück zum eigentlichen Thema:

 

Ziemlich genau zwischen Dänemark und dem Vatikan liegt Deutschland, wobei zumindest geographisch eine größere Nähe zu Dänemark festzustellen ist. Bei uns musste sich das Bundesverfassungsgericht am 08.12.2015 mit dem Antrag zweier Menschen beschäftigen, die sich nach eigenen Angaben zu Tieren sexuell hingezogen fühlten. Ordinäre Menschen wie manche Fernsehcomedians würden sie vermutlich respektlos als Tierficker bezeichnen, aber das Bundesverfassungsgericht hält sich bedeckt und weiß, was sich gehört.

 

In unserem Tierschutzgesetz ist es unter Strafe gestellt, wenn jemand ein Tier für eigene sexuelle Handlungen nutzt, abrichtet oder zur Verfügung stellt. Die Antragsteller hatten vermutlich gehofft, das Bundesverfassungsgericht käme zu dem Ergebnis, für Rinder, Ziegen und Schweine sei es wesentlich angenehmer, mit ihnen zu schlafen als sie zu essen. Doch das Gericht hustete ihnen was: Es sei legitim, Tiere vor artwidrigem sexuellem Verhalten zu schützen, wenn das Tier sich nicht dabei wohlfühle. Und wenn der Bub im Bambi steckt, dürfte Wohlgefühl das Letzte sein, was das Tier dabei empfindet. Das sehe ich haargenau so wie das Bundesverfassungsgericht.

 

Für Interessierte:

AG Saarbrücken 18.01.2017 – Aktenzeichen ist mir nicht bekannt

LG Saarbrücken 10.07.2017 – 11 Ns 12 Js 211/16 (81/18)

OLG Saarbrücken 15.05.2018 – Ss 104/2017 (4/18)

Bundesverfassungsgericht 08.12.2015 – 1 BvR 1864/14

Filmtipp:

Silence von Martin Scorsese

  

16 WdW Bei Regen keine Lust

Urlaub in Dänemark? Nein danke!

 

© am Text: Detlef Wendt

© am Bild: Sabine Czudaj-Wendt