Der 18. Wendt der Woche: Schraibn nach Gehöa: Schpottottopetti + Buchtipp

40. KW 2018

 

Ich hörte im Radio, Erstklässler lernen Rechtschreibung heutzutage nach Gehör. Kinder sollen so schreiben, wie sie die Wörter hören. Und sie hören, was gesprochen wird. Also Katofln mit Kätschap unt Majonäse. Bringen sie das Gehörte fehlerlos zu Papier, lehrt man sie vermutlich die korrekte Rechtschreibung. Also Kartoffeln mit Ketchup und Mayonnaise. Ich fragte mich spontan, welcher geisteskranke Selbstmordattentäter auf diese Idee gekommen sein mag. Das Radio antwortete, es sei ein Schweizer gewesen, in den siebziger Jahren. Ich war überrascht. Mir war nicht bewusst, dass die Schweiz Cannabiskonsum bereits vor 50 Jahren gesetzlich vorgeschrieben hat.

 

Doch nachdem ich länger über diesen Unsinn nachgedacht hatte, empfand ich ihn als gar nicht mehr so unsinnig. Warum nicht, dachte ich, vielleicht setzt sich diese Idee am Ende sogar weltweit durch. Vorreiter dieser bahnbrechenden Methode sind wieder einmal die Baian, was mich nicht wundert, immerhin grenzt Baian an die Schweiz, nur durch den Bodensee getrennt. Die Baian schreiben schon seit jeher, wie sie sprechen: Daheim heißt in Baian dahaom. Dahaom wird’s gesprochen und dahaom wird’s geschrieben.

 

Den Schwaben dürfte die schweizerische Koksidee gelegen kommen. Genetisch ganz nah dran an den Schotten und eher sparsam, weigern sie sich seit Jahrhunderten hartnäckig, jedes N an Wortenden mitzusprechen: Millione Dachpfanne liege in abertausende von marode Halle, sozusage. Spart jedenfalls Tinte.

 

Nur der Sakse wird’s schwer haben. Der spricht komplett anders, als er schreibt. Daher wird er auch nur selten im Ausland, also beispielsweise in Westfalen, verstanden. Oder wer aus dem Rest der Republik errät, was Schpottottopetti bedeutet? Was den Recklinghäuser schier zur Verzweiflung bringt, ringt dem Saksn nur ein müdes Lächeln ab: Sportorthopädie, was sonst?

 

Vielleicht kann man die Innovation auch zum Anlass nehmen, grundsätzlich den Sinn und Unsinn unserer aktuellen Rechtschreibregeln zu hinterfragen. Und unseren europäischen Nachbarn den einen oder anderen Trick abschauen. Zum Beispiel die Groß- und Kleinschreibung innerhalb eines Satzes. Wer versteht heute noch den Sinn dieser Regel? Die Engländer schreiben fast alles klein, trotzdem haben sie bei der letzten fußballweltmeisterschaft respektvoll die vorrunde überstanden.

 

wir sollten ferner ernsthaft darüber nachdenken, einige unserer buchstaben abzuschaffen. in kaum einer anderen sprache gibt es so viel buchstabenmüll wie in unserer. nehmen wir nur das ß. welchen sinn hat es? wo liegt der unterschied zwischen fußball und fussball? zwischen nuß und nuss? zwischen bescheißen und beschissen werden?

 

was soll der kwatsch mit dem q? kwalle statt qualle! und weg mit dem x, aber ganz fiks.

 

nebenbei können wir auch das c beim ck abschaffen, weil das eh keiner braucht. backen dicke zicken? schmecken socken trocken? geht auch so: baken dike ziken? schmeken soken troken?

 

warum gibt es das i mit und ohne e? bei gleicher aussprache? viele stile. viele stiele. warum nicht: vile stile? 

  

wofür benötigen wir ein y? joga funktionirt ebenso gut wi yoga. beim joghurt hat’s auch geklappt.

 

was brauchen wir ein v, wenn wir ein f und ein w haben? was bitteschön spricht gegen folle wasen? oder gegen fir fögel? 

 

und der groste blodsinn aller zeiten: ä, ö und ü. warum überlassen wir di äs und ös nicht den denen? In der denischen sprache sehen dise buchstaben fil schoner aus.  und warum schenken wir unsere üs nicht einfach den turken? di können si fil besser gebrauchen. und deren president kann zumindest damit wesentlich geschikter umgehen als wir.

 

si meakn, es gipt noch fil zu tun. pakn wias an.

 

Buchtipp:

Der Vorleser von Bernhard Schlink

 

© am tekst: detlef wendt